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  Sport * Saison 2012/13

SC Freiburg, Herren, Saison 2007/2008 (Foto: Marc Faltin)


09.03.2013: SC Freiburg vs. VfL Wolfsburg 2:5
26.01.2013: SC Freiburg vs. Bayer Leverkusen 0:0
01.10.2012: Citigossip 2: LondonSportSommer 2012
25.08.2012: SC Freiburg vs. FSV Mainz 05 1:1


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09.03.2013, MAGE SOLAR Stadion Freiburg:
Augen- und Nervenschmaus: Kalte Dusche über Freiburg
SC Freiburg vs. VfL Wolfsburg 2:5 (1:3)

Vor einigen Monaten prognostizierte das Presseorgan einer größeren Autophilen-Vereinigung, in Bälde würden die Autos immer grüner. Damit war die Farbe gemeint. Noch widerspricht dem die aktuelle Verkaufsstatistik eindeutig, doch geht das Volkswagen-Team seit Jahren mit gutem Beispiel voraus, indem es sich nicht nur den Mannschaftsbus grün anmalen, sondern auch grüne Trikots schneidern ließ. Das war eine gute Idee, die den Wolfsburger Verein - neben einigen aktuellen Veränderungen fußballerischer Art - nicht schlecht aussehen lassen.

Max Kruse in rot.

Dabei sah zunächst beim rot gekleideten Freiburger Team alles bestens aus (Rot ist in der Automobilmode seit den 80ern rückläufig und mittlerweile fast vollständig aus dem Verkehr gezogen - Anm. d. Red.). Weniger als drei Minuten Spielzeit genügten für Max Kruse, um den 0:0-Stand unwiederbringlich zu Freiburgs Gunsten zu verändern. Unwiederbringlich insofern, als die eine Null in eine Eins verwandelt wurde und eine gute Spielstunde auch stehen blieb. Nicht so die andere Null, die sich in zunächst grob achtminütigem Takt in Richtung Drei mauserte, um ihre endgültige Form erst mit Ende der Regelspielzeit in einem etwas eckig geratenen S zu finden.
Die noch vor wenigen Monaten ziemlich spaßlosen Wölfe, deren Rudelverhalten sich unter Magath durch einen stetig abnehmenden Teamgeist bei zunehmend geknickten Egos ausgezeichnet hatte, kommen offensichtlich mit Coach Heckings Vorstellungen vom Fußballspielen bestens zurecht. Dieser verriet nach dem haushohen Sieg, was er ausgeheckt hatte, um den anerkannten Qualitäten des Streichschen Teams zu begegnen: Hauptproblem sei das hohe Herumgestehe der Freiburger. Über deren erste Reihe - so habe er sein Team überzeugen können - müsse man einfach erstmal drüber hinweg spielen, dann sein der Rest nicht mehr gar so schwierig. Verblüffend einfach, der Trick, doch ebenso verblüffend war der Effekt dieser Luftraumnutzung. Zwar räumte Hecking ein, der Sieg sei seiner Ansicht nach ein bis zwei Tore zu hoch ausgefallen, doch da war es schon geschehen.
Streich: Verhältnisse zurechtgerückt.Freiburgs Fußballlehrer Streich hingegen fand am Ergebnis nichts auszusetzen, vielmehr seien damit die realen Verhältnisse zurechtgerückt, indem die klar bessere Mannschaft ihre verdienten Punkte eingestrichen habe. Und merkwürdigerweise lässt sich auch keineswegs behaupten, Freiburg habe nicht zu seinem Spiel gefunden. Tatsächlich war der Spielverlauf ungeachtet des Zählerstands durchweg äußerst spannend geblieben, wovon auch zeugt, dass über die Hälfte der insgesamt dreißig Torschüsse von Freiburger Spielern abgeschickt wurden - selbst wenn man das unglückliche Eigentor Makiadis nicht mitrechnet. Nur gelangen dem VfL Tore, die in Zahl und Qualität kein Zufall sein können. Insbesondere Vieirinhas wunderschöner Volleyschuss zum 1:2 wird als ballästhetischer Glanzmoment in Erinnerung bleiben. Und schon wenige Minuten später nötigte Olics Fallrückzieher dem wohl- wie auch übelwollenden Publikum einigen Respekt ab (21. Minute: 1:3).
Veirinha: Ballästhetik per Volleyschuss.Nur gut, dass der Rest des Spiels nicht gänzlich zur Absahn-Party der Gäste geriet: Ein Trostpflaster wenigstens verabreichte der zur zweiten Halbzeit eingewechselte Flum den SC-Freunden mit seinem Treffer zum Zwischenstand von 2:4. Mit Trostpflastern vorlieb zu nehmen fiel den Zuschauern im Allgemeinen auch nicht schwer, zumal es sich auch auf dem siebten Tabellenplatz [der am Sonntag noch zum achten wurde, the säzzeress] vorübergehend ganz gut aushalten lässt und die Partie - abgesehen vom Ergebnis - ein Augen- und Nervenschmaus erster Güte war.
Patrick Widmann

Heimatseite des SC Freiburg


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26.01.2013, MAGE SOLAR Stadion, Freiburg:
Toprak: In Freiburg alles top
SC Freiburg vs. Bayer Leverkusen 0:0

Ob es sich bei Vollmond besonders gut kickt oder nicht konnte letzten Samstag bei insgesamt sechs Bundesligaspielen beobachtet werden. Wir nahmen uns das Spiel des SC Freiburg gegen den Tabellenzweiten der Chemiker aus Leverkusen vor und fanden, dass es sich bei Vollmond sogar sehr gut kickt. Ömer Toprak: ''Alles top''.Nur hinsichtlich der Torausbeute schien dessen Strahlung eine geradezu vernichtende Wirkung auf den Südschwarzwald zu entfalten.
Es wurde geackert an der Dreisam bis zur Erschöpfung, bis zum Schlusspfiff hatten die Spieler miteinander etliche hundert Kilometer zurückgelegt und letztlich auch volle 27 Torschüsse zustande gebracht. Den angestrebten Leerraum hinter der Torlinie füllte der Ball indessen nie. Dennoch waren sich die meisten Augenzeugen einig, ein äußerst bewegtes Spiel gesehen zu haben, dem es weder an Spannung noch an Qualität fehlte. Rückblickend fällt jedoch auf, dass es hüben wie drüben auch keine nennenswerten Aufreger gab - weder nervenaufreibende Beinahekatastrophen noch gemütserhitzende Ungerechtigkeiten.
Der Auftritt des SC war von Anfang an frisch und quirlig und blieb bis zum Schluss quicklebendig. Wer unter den Freiburger Hyypiä: ''Ruhig bleiben und nicht erschrecken!''Fußballern der Quirligste war, spielt unseres Erachtens keine Rolle, doch sei die Gesamtleistung von Pavel Krmas hervorgehoben, der seinem Team eine unverzichtbare Stabilität in der Defensive garantierte und nicht umsonst von der Statistik zum erfolgreichsten Zweikämpfer des Spiels gekürt wurde.
Gegenüber den stechmückengleichen Breisgauern wirkte die Bayer-Elf, obgleich sie sicher nicht weniger Kilometer abspulte als deren Gastgeber, wesentlich ruhiger, ja regelrecht bedächtig. Möglicherweise wirkt sich hier ein Wesenszug ihres Teamchefs Hyypiä aus, der in Interviews seine Worte hochkonzentriert im Minutentakt zu veräußern pflegt. So auch die folgenden Worte, die er vor dem Spiel seinen Spielern ans Herz gelegt hatte: "...ruhig am Ball bleiben und nicht erschrecken...".
Nein, eine verschreckte Mannschaft sieht anders aus und - auch darüber sollten sich die Vernünftigen unter den Augenzeugen einig sein - klärt Zweikampfstarker Krmas.doch allein ein Blick auf die Tabelle, dass Freiburg froh sein darf um seinen torevereitelnden Vollmond.
Froh war auch der berufsmäßige Torvereitler Ömer Toprak. Der in Leverkusen mittlerweile stabil eingerichtete Ex-Freiburger, der sein Lieblingswort gewissermaßen im Erbe trägt, befand das Stadion für "top", die Fans seien "top" und insbesondere die SC-Jungs seien taktisch und spielerisch "top". Als aktuelles Lieblingswort beider Trainer erwies sich hingegen eindeutig das gewichtige Wort "Respekt". Und so raunen auch wir, in Ehrfurcht dem Vollmond zugewandt: "Respekt!"
Patrick Widmann

Heimatseite des SC Freiburg


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01.10.2012, Citygossip 2:
LondonSportSommer 2012


"Thanks for the warmimg up" - die britischen Athleten der Paralympics bedankten sich auf Großleinwänden in der ganzen Stadt - die olympischen Spiele als Anheizer für die Paralympics... Ein Bericht über einen verrückten Londoner Sportsommer.

Begonnen hat alles mit der EM. Doch wohin zum Gucken? Die Briten lieben ihren Pub in allen Lebenslagen und wir haben es dann auch versucht - im Pub ums Eck bei den Juristen (Mist, nur die Spiele der Engländer mit Ton), im "Fußballpub" (Ton aber kein Platz), in der deutschen Bierschenke (wobei wir in der zugehörigen französischen Weinschenke standen, mit Kässpätzle und Bratwurst auf der Speisekarte). Endlich durften wir mal "unsere" Jungs anfeuern und ich bemerkte, dass ich selbst hier in England mein "Fremdschämen für zu viel Deutschsein" nicht ablegen kann. Die spanische Kneipe, die zum deutschen Fußballfanmekka umgemodelt wurde, hatte kein Essen, also doch zum Italiener und Liveticker auf dem Handy verfolgt... Fazit: Public Viewing ist eine tolle deutsche Erfindung und die EM in England machte nur halb so viel Spaß wie "zu Hause". Spätestens zur WM weiß ich dann, wie man in London richtig Fußball guckt...

Dann kam Wimbledon. Und trotz der guten Vorsätze haben wir es nicht geschafft, uns morgens um fünf Uhr mal in die Ticketschlange zu stellen. Queuing - des Engländers Lieblingsbeschäftigung und doch, Im olympischen Stadion.laut meiner schottischen Kollegin, so "very British" - bleibt also ein Ziel fürs nächste Jahr. Die Andy-Murray-Begeisterung konnte zumindest unsere dreier Mädels-WG nicht nachvollziehen, der Typ ist und bleibt mir unsympathisch. Die Briten lieben ihn. Und waren doch so enttäuscht über seine Niederlage im Finale gegen unseren Lieblingsschweizer Roger Federer. Das Finale wurde in unserer WG mit halbem Auge verfolgt - der Grill musste beaufsichtigt werden, Fleisch und Wein waren da manchmal wichtiger. Allerdings war die zeitnahe Wettervorhersage recht nützlich - "In Wimbledon regnet es, sie machen gerade das Dach zu!" - "Also Grill regenfest machen, in 10 Minuten ist das Wetter hier!". Praktisch.

Ihre Tennis-Revanche hatten die Briten dann beim olympischen Tennisturnier - gleicher Ort, gleiches Match, anderes Publikum. Olympisches Tennisgucken musste um jeden Preis vermieden werden. Sind die Zuschauer in Wimbledon sonst fair und britisch Korrekt, war die olympische Meute das erschreckende Gegenteil. Laut, unfair, unterbrechend, unmöglich. Wir vermuten daher, dass der Roger einfach genug hatte und den Andy deshalb hat gewinnen lassen. Das unfaire Gehabe hätte ich keine zehn Minuten ausgehalten (hab ich auch nicht und den Fernseher ganz schnell wieder ausgemacht). Die BBC-Tierische Fans.Berichterstattung während Olympia war sowieso eine journalistische Katastrophe. Je länger die olympischen Spiele andauerten, desto unvollständiger die Berichte - Team GB hier, Team GB da, Tabellen wurden nicht mehr eingeblendet, Siege von Athleten anderer Nationen nicht mehr erwähnt. Ja, Team GB war sehr gut, trotzdem interessieren die anderen Plätze auch! Ganz schlimm wurde es gegen Ende, das Beachvolleyballfinale der Herren, Deutschland gegen Brasilien, wurde im Fernsehen erst zum dritten Satz gezeigt, auf zwei Kanälen der BBC lief die Niederlage von Team GB im Hockey... Glücklicherweise gab es ja den iPlayer (zugegeben, auch auf der BBC-website), und somit das Finale im Livestream auf unserem Laptop (wie auch das Hockeyfinale der deutschen Männer ein paar Tage später).

Olympia in London - wie war das so? Ehrlich gesagt, ziemlich ruhig. Nachdem Monate vorher allen Londonern gesagt wurde, sie sollen während Olympia doch bitte zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit gehen, oder lieber gleich von zu Hause arbeiten, war die Stadt während der Sommerspiele noch leerer als sonst im August. Die Londoner flüchteten in den Sommerurlaub, die Touristen kamen erst gar nicht, entweder, weil sie bei dem undurchsichtigen Ticketsystem keine Tickets bekamen, oder weil sie nicht in der "verrückten Zeit" in London Museen besuchen wollten. Bald beschwerten sich die Hoteliers über mangelnde Auslastung (kein Wunder, die Zimmer kosteten zwei- bis dreimal so viel), dann kamen die Restaurants dazu (keine Londoner mehr da, und die Touristen waren von den Preisen in den olympischen Sportstätten schon übermannt), und schließlich beschwerten sich auch die Museen und Musicals über fehlende Zuschauer - Misskalkulation auf ganzer Linie. British Airways reagierte schnell und überraschend, in der Tube und auf großen Werbeanzeigen in der ganzen Stadt las man "Don`t fly, support Team GB".
Wer auf Großleinwänden Olympia schauen wollte, wurde enttäuscht. Allein im Hyde Park konnte man die Spiele verfolgen, nicht einmal die Eröffnungsfeier wurde an anderen Plätzen in der Stadt gezeigt. Die Londoner schauten zu Hause und redeten noch tagelang vom neuen Bondgirl mit dem rosa Kostüm und der weißen Lockenpracht...
Der befürchtete Verkehrsinfarkt blieb aus, die Stadt war leer und im Labor war der Betrieb etwas durch Livestreams gucken (manchmal mehrere gleichzeitig) und Ticketklicken unterbrochen. Ticketklicken geht so: man meldet sich auf der Tickethomepage an, versucht eine Veranstaltung mit bezahlbaren Tickets zu finden und klickt dann so oft es geht, in der Hoffnung, irgendwann ein Ticket für egal welche Sportart zu bekommen. Nach den ersten halbleeren Veranstaltungen wurden nachts auch immer wieder Tickets freigegeben, somit hatte man Chancen, wenn man denn Ticketklicken spielen wollte. Ich wollte nicht und erstand stattdessen Tickets für die Paralympics - ganz in Ruhe, von zu Hause aus.

Körper- und Rolli-Einsatz.
Körper- und Rolli-Einsatz.

"Are you superhuman?" - die paralympischen Spiele als "übermenschlicher" Event. Keine paralympischen Spiele zuvor wurden mit so großer Medienpräsenz bedacht und keine paralympischen Spiele waren je so gut besucht. War es doch die Gelegenheit, die olympischen Sportstätten zu sehen und olympische Höchstleistungen beizuwohnen. Erstmal musste ich allerdings paralympische Sportarten lernen - Wheelchair Rugby (ein Rollstuhl-Hau-Drauf der besonderen Art und viel zu schnell ausgebucht), Goalball, Sitting Volleyball, Wheelchair Tennis und Basketball. Wir entschieden uns für einen Vormittag Leichtathletik im olympischen Park, Sitting Volleyball und Wheelschair Basketball. War Sitting Volleyball nur mäßig spannend (der Beinprothesenkorb hat uns dennoch beeindruckt), war der Besuch im olympischen Stadion ein Highlight. Das britische Selbstbewusstsein hatte sich bis dahin in "übernatürliche" Höhen geschraubt und egal was ein britischer Athlet tat, das Stadion bebte. Unsere kleine Deutschlandfahne ging da etwas unter... Manchmal waren die Begeisterungsstürme eher hinderlich - wenn die Sehbehinderten zum Dreisprung ansetzten, wurde um Ruhe im Stadion gebeten, damit die Athleten die Richtungsrufe ihrer Betreuer hören konnten. Und 80.000 Zuschauer wurden ganz still (meistens jedenfalls).

Auf zur Goldmedaille!
Auf zur Goldmedaille!

Ohne es recht zu wissen, hatten wir Tickets für das Finale der Frauen im Rollstuhl-Basketball erstanden und ein paar Tage vorher wurden wir nervös - die Deutschen Frauen könnten es ins Finale schaffen! Voller Vorfreude machten wir uns also auf in die O2-Arena (oder jetzt politisch korrekt: North Greenwich Arena, auch wenn keiner diesen Namen kennt). Deutschland gegen Australien stand auf dem Plan. Zuerst jedoch schauten wir den Niederländern zu, wie sie die USA im Spiel um Platz drei ohne Probleme schlugen. Unsere Plätze ganz unterm Dach zeigten uns zwar die Größe der Halle (und erinnerten mich an ein Basketballspiel in Madison Square Garden in New York, da saß ich ähnlich), allerdings waren wir doch recht weit weg vom Geschehen. In der Pause vor dem Finalspiel nach unten gemogelt, erschlichen wir uns Plätze in der "Deutschen Fankurve". Fünf Reihen vom Spielfeldrand entfernt, saßen wir jetzt also zwischen den Angehörigen und feuerten die Mädels lauthals gegen die Übermacht der Australischen Fans an (natürlich schreien auch die Briten für ehemaligen Strafgefangenen). Spannend bis zum Schluss lieferten sich die Frauen ein hartes Match, uns packte das Fieber und wir jubelten mit unserem kleinen Fanblock ausgiebig über die Goldmedaille...

London!

Auf dem Rückweg im Stau zur Tube gefangen, entschieden wir uns für die schlaue und viel schönere Alternative - mit dem Boot die Themse aufwärts, vorbei an der O2-Arena, unter der Tower Bridge durch, St. Paul's, beleuchtete Brücken... Und wieder dieser Moment: ich bin in London!
the killerkatze


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25.08.2012, Mage-Solar-Stadion, Freiburg:
Hitziger Saisonbeginn mit würzigem Seitenlinienfußball
SC Freiburg vs. FSV Mainz 05 1:1 (0:0)

Ob am Anfang einer Saison, wenn die Tabelle mit maximal einer Drei geschmückt werden kann, oder am Saisonende, wenn alle bis auf vier, fünf Unglückliche ihre Schäfchen im Trockenen haben - der Streitwert der Partien ist meist gering. Auch das Auftaktspiel im Breisgau war, was das Geschehen auf dem Platz betrifft, ein sportliches Kräftemessen ohne viel Brisanz. Ein wenig Würze bekam das Ereignis lediglich von etwas unorthodoxen Gockelhaftigkeiten zwischen den beiden Trainern Streich und Tuchel, die allerdings jenseits der Seitenlinie ausgetragen wurden. Doch das ist deren Bier und entsprechend ließen die Beiden den stets penetranten BILD-Abgesandten auf seine diesbezügliche Frage hin elegant abblitzen, indem sie ihm einträchtig versicherten, mit seiner Beobachtung verbaler Unstimmigkeiten einem "Wahrnehmungsfehler" aufgesessen zu sein. Hatte bereits die situativ deplatzierte Frage für leichte Heiterkeit im Presseraum gesorgt, so legte sich auf die Antwort hin ein fröhliches Lachen über den Raum, das selbst den ansonsten kaum BILD-kritischen SC-Präsidenten Keller ansteckte.
Doch auch etliche andere Fragen blieben, wie üblich bei einem unentschiedenen Spielausgang, nach der Begegnung des Sportclub-Teams mit den Mainzer Kollegen offen. Unter diesen beschäftigte den Stadionsprecher Köhn insbesondere die Frage nach dem Verbleib eines gewissen Christopher C., nach welchem er die zweite Halbzeit über ebenso hartnäckig wie erfolglos die gesamten 22500 Anwesenden befragt hatte. Auch die Namensaussprache des Gesuchten bereitete Köhn Kopfzerbrechen, er versuchte es mit immerhin drei Varianten. Natürlich hätte das hilfsbereite Publikum schließlich gerne erfahren, um wen es sich bei Herrn C. handelt und warum er so dringlich gesucht wurde und ebenso gerne hätten wir diese Fragen hier enthüllt, doch bislang blieben alle Nachforschungen ergebnislos.
Nicht alle Fragen blieben ohne Antwort, so löste sich gleich zu Beginn des Spiels das Rätsel um das taktische Vorgehen der verletzungsbedingt veränderten SC-Elf in Wohlgefallen auf. Eine angriffslustige Spielweise hatte SC-Coach Streich im Vorfeld vom Mainzer Team erwartet, folglich wäre ein behutsamer Einstieg der Freiburger ins erste Saisonspiel nicht verwunderlich gewesen. Dies nicht zuletzt, da die letzte Begegnung mit den Tuchel-Fußballern zum Meilenstein der eigenen Schwachpunktoffenbarung geraten waren. Doch das Gegenteil war der Fall und der SC, offensichtlich mit höchst offensiv ausgerichteten Anweisungen ins Rennen geschickt, erkundete nach wenigen Aufwärmminuten lauffreudig und konsequent die Wege nach vorn.
Mainz beantwortete den Offensivdruck der Breisgauer mit hoher Personalpräsenz in der eigenen Hälfte, aus der zu Angriffszwecken meist nur ein kleines Häufchen Spieler in Richtung der Freiburger Gefahrenzone vordrang, um dort - auch dank individueller spielerischer Klasse - trotz Zahlenschwäche wiederholt für Aufregung zu sorgen. Torerfolge blieben jedoch bei aller Lebendigkeit des Spiels hüben wie drüben in der ersten Halbzeit aus.
Mit der viertelstündigen Erholungszeit konnten Gäste offenbar ziemlich wenig anfangen, jedenfalls kamen sie etwas derangiert auf den Rasen zurück und konnten ihren Faden nicht mehr dauerhaft aufnehmen, trotzdem insbesondere Kirchhoff, Ivanschitz und Marco Caligiuri weiterhin überzeugende Auftritte lieferten. Immer wichtiger für das Spiel der Mainzer wurde und blieb Tormann Wetklo, der jedoch schon bald nach Beginn des zweiten Durchgangs den 1:0-Schuss von Ex-Paulianer Max Kruse hinnehmen musste.
Durch ein an sich unerhebliches Strafraumfoul bekamen die Mainzer eine Viertelstunde später die Chance zum Ausgleich und nutzten diese mit einem zwingenden Einschuss durch Ivanschitz ins Netz Baumanns. Eine Art Doppelchance auf die Chance zur Revanche ergab sich wiederum eine Viertelstunde vor Schluss, als Jonathan Schmid im Mainzer Strafraum durch einen an sich unerheblichen, doch eindeutig handgreiflichen Einsatz Baumgartlingers am Torschuss aus viel versprechender Position gehindert wurde, doch dafür keinen Elfmeter zugesprochen bekam.
Diese Nichtahndung, gepaart mit Wetklos Keeperqualitäten in der Schlussphase, bewahrte den Gleichstand bis zum Spielende. Doch Streich sagte hierzu in seiner mittlerweile berühmt gewordenen Spitzbubenrhetorik: "Ich sage nicht dass es ein Elfmeter war - ich sage nur, dass ich gerne einen Elfmeter gehabt hätte!"
Tuchel, dem das bobbelsche Spitzbubentum während des Spiels mitunter ziemlich auf die Nerven gegangen war, beruhigte sich vor seinem Abgang noch mit einem senfgeschärften Wurstbrötchen, nachdem er - humorvoll doch unmissverständlich - offengelassen hatte, wie herzlich er dieser Begegnung mit dem Kollegen Streich zukünftig gedenken würde. Wie seine Heimreise letztendlich verlief ist unbekannt, von Streich hingegen wissen wir, dass er sich bald darauf in ortstypischer Manier auf sein Fahrrad schwang um, selbstverständlich in die untergehende Sonne hinein, weiteren Abenteuern entgegenzuradeln.
Patrick Widmann








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