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  Kultur * 2013

Konzertberichte, Plattenkritiken & Buchbesprechungen

24.07.2013: Monsieur Periné und Leïla Bounous, Stimmen, Lörrach
21.07.2013: Mark Knopfler, Stimmen, Lörrach
19.07.2013: Maxïmo Park, Stimmen, Lörrach
09.07.2013: Pet Shop Boys, ZMF, Freiburg
27.06.2013: Fireworks Of Rock, ZMF, Freiburg
20.04.2013: Citygossip 3 - Von der Kunst auf der Straße

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24.07.2013, Rosenfelspark, Lörrach
Swing in to the Night
Monsieur Periné und Leïla Bounous

Stimmen Vorm Anfang müssen unsere lieben, treuen Leserinnen und Leser beachten, dass wir etwas voreingenommen sind. Obwohl die beeindruckende Leïla Bounous der Hauptakt war, war eigentlich Monsieur Periné der Grund, warum wir an diesem Abend beim Stimmen-Festival dabei waren.

Monsieur Periné auf der Bühne.
Monsieur Periné auf der Bühne.

Wir sind nicht mehr sicher, wie und wann wir zuerst von M. Periné gehört haben. Aber das ist nicht mehr wichtig, weil sie unser neuer Stern am Himmel sind. Unsere Erwartungen wurden ohne jeden Zweifel total erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen. Deswegen ist es nur verständlich, dass wir uns sehr glücklich schätzten, als M. Periné an diesem Abend als erste Band auf der Bühne erschien: wir sind sozusagen süchtige 'Perinés'.

Monsieur Periné nach dem Konzert.
Monsieur Periné nach dem Konzert.

Um 20:10 Uhr kamen M. Periné in bunter Kleidung auf die Bühne. Beispielsweise trug Catalina, die Sängerin, einen langen gelben Rock (der in spanischsprachigen Länder "Pollera" heißt). Ihr Aussehen entsprach ganz ihrer Musik: sie klangen unglaublich fröhlich und sahen auch so aus. Ihr Musikstil umfasst Bolero, Swing und Gypsy-Jazz mit kleinen Elementen von kolumbianischer Cumbia. Diese Mischung nennen sie Swing a la Colombiana. Sie begannen ihren Akt mit "La tienda de sombreros" (Der Hutladen). Nach 30 Sekunden war das etwa durchschnittlich vierzigjährige Publikum von der Melodie und dem Takt der Band völlig bezaubert. Danach folgte "Sabor a mí", ein Bolero, der als Original vor 50 Jahren von Los Panchos in ganz Lateinamerika bekannt und populär wurde. Die romantische Stimmung gelangte an ihren Höhepunkt als sie den besten "Suinromanticón" seit langem hinlegten und das Publikum im Takt klatschte und swingte. Monsieur Periné begeisterte mit toller Musik und farbenfrohen Outfits, wodurch man an diesem Abend einfach gute Laune bekommen musste. Als Zugabe und Überraschung sang der Lead-Gitarrist, Santiago Prieto, zwei Lieder von Louis Armstrong: "Give me a Kiss to Build a Dream On" und "When the Saints Go Marching In". Zu bemerken ist, dass er nicht nur die Lieder von Louis Armstrong sang, sondern mit eben dieser unverwechselbaren Stimme! Alle dachten sich, was für ein geniales Playback, aber nein, es war wirklich Santiago, der dazu auch noch a capella die Trompete spielte! Was für ein Abschluss.
Nach 20 Minuten Pause, als die Sonne unterging, kam Leïla Bounous auf die Bühne. Ihr tiefer und melancholischer Stil führte das Publikum sehr gut in die Nacht. Sie ist beim Stimmen-Festival bereits bekannt. 2005 war sie als Sängerin der Band aus Nantes "Orange Blossom" dabei. (siehe Stimmen 2005). Diesmal kam sie mit ihrer eigenen Band. Ihre Zeit bei "Orange Blossom" und ihre bretonischen und algerischen Wurzeln haben sie deutlich beeinflusst. Das Ergebnis ist ein Stil, der eine Kobra zähmen könnte. Oud (Nicolas Stevenin) und Cello (Erwan Martineri) waren die perfekte Begleitung für ihre Stimme.

Leïla Bounous und ihre Band.
Leïla Bounous und ihre Band.

Sie schaffte es mit dem Publikum eine gute Verbindung aufzubauen. Zuerst bat sie die Leute, so nah wie möglich an die Bühne heranzutreten. Danach gab der Cellist einen Ton an, als sie das Publikum aufforderte den Ton nachzumachen, damit sie mit dem Sampler die Stimme des Publikum aufnehmen und als Begleitmusik wiedergeben konnte. So endete dieser Abend unter dem sternenklaren Himmel.
Dingo y Josefa

Zuschauer: ca. 300
Spieldauer:
Monsieur Periné: ca. 50 Minuten
Erfrischungspause: ca. 20 Minuten
Leïla Bounous: ca. 60 Minuten

Monsieur Periné sind:
Catalina García: Gesang
Camilo Parra: Klarinette
Santiago Prieto: Gitarre, Mandoline, Mundtrompete
Nicolas Junca: Gitarre
Miguel Guerra: Kongas, Caja, Perkussion
David González: Kontrabass
Daniel Chenair: Schlagzeug

Bei Leïla Bounous standen auf der Bühne:
Leïla Bounous: Gesang
Thomas Calegari: Schlagzeug
Dylan Bendall: Gitarre
Erwan Martinerie: Cello
Nicolas Stevenin: Oud

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21.07.2013, Marktplatz Lörrach:
10 Jahre zu spät?
Mark Knopfler spielt kein Dire-Straits-Konzert

Stimmen Einige Minuten vor Beginn des Konzerts gibt sich Burghof-Geschäftsführer Markus Muffler die Ehre, um vor dem letzten Marktplatz-Event in diesem Jahr einen Rundum-Dank loszuwerden. Allen voran, Dank an die Sponsoren, ohne die das Festival nicht möglich sei. Namentlich wird die örtliche Sparkasse und der Energieversorger Badenova genannt, die schon seit vielen Jahren das Festival als "Premiumsponsoren" begleiten und der neue "Hauptsponsor" Endress+Hauser. Grund genug einen Blick auf diese Firma zu werfen, auf deren Website zu lesen ist: "Endress+Hauser ist einer der international führenden Anbieter von Messgeräten, Dienstleistungen und Lösungen für die industrielle Verfahrenstechnik. 2012 erwirtschaftete die Firmengruppe mit über 10.000 Beschäftigten weltweit rund 1,694 Milliarden Euro Umsatz." Alles klar? Anders ausgedrückt kann man auch sagen, dass E+H Sensoren für alle möglichen Einsatzzwecke wie beispielsweise Temperatur, Strömung, Füllstand, Druck u.a. produziert. 1953 in Lörrach gegründet, 1966 nach Maulburg umgezogen, ist E+H zwischenzeitlich weltweit präsent.
Der neue Hauptsponsor ist also älter als die Band Dire Straits, die, 1977 gegründet, 1978 ihr erstes Album auf den Markt brachten, dem 1979 mit Communique das erste Nummer-Eins-Album (in Deutschland) folgte. Nach Making Movies, 1980, das kommerziell nicht ganz so erfolgreich war, folgte 1982 mit Love Over Gold das "schönste Album" der Dire Straits, nur fünf Titel bei einer Gesamtspieldauer von rund 41 Minuten - nicht radiotauglich aber das erste Album überhaupt, dass es im Hause des Autors auf einer kleinen Scheibe mit 12 Zentimeter Durchmesser gab, die CD hatte Einzug gehalten. 1984 brachten die Straits ihr erstes Livealbum auf den Markt, ehe ein Jahr später das langerwartete neue Studioalbum "Brothers In Arms" auf den Markt kam, das sowohl in Deutschland, als auch in den USA und dem Vereinigten Königreich Nummer Eins in den Albumcharts wurde und mit heute über 30 Millionen verkauften Exemplaren zu den 30 meistverkauften Alben der Musikgeschichte zählt.

Mark Knopfler

Doch es standen nicht die Dire Straits auf der Bühne des Lörracher Marktplatzes, sondern von diesen nur deren Kopf, Mark Knopfler und der 1984 zur Band gestoßene Keyboarder Guy Fletcher. Und wer dachte, egal, wer mit Knopfler auf der Bühne steht, im Grunde ist es ein Dire-Straits-Konzert der wurde - zumindest in Bezug auf die Auswahl der gespielten Songs - enttäuscht. Mit Romeo & Juliet, Telegraph Road und So Far Away standen lediglich drei genuine Dire-Straits-Stücke auf dem Programm, das von Anfang an, etwas dahinplätscherte. Der Funke zum Publikum sprang selten über, Knopfler und die Seinen spielten ihren Stiefel herunter - nach dem Motto: Ich bin ein klasse Musiker, ich muss nicht auch noch den Affen für Euch machen.
Wir waren wohl nicht die einzigen, die sich etwas mehr Straits-Stücke gewünscht hätten, als ungefähr zur Halbzeit des Konzerts mit Romeo & Juliet das erste Straits-Stück zum besten gegeben wurde, nahm der Applaus deutlich zu und auch danach konnte man erstmals ein Mitwippen des Publikums beobachten.

Mark Knopfler mit Band

Der Sound indes erinnerte stets an die Dire Straits, wenn sich Knopfler auch in der ersten Hälfte des Konzerts eher zurückhielt und die exzellenten Musiker an seiner Seite 'machen ließ' (ob es wirklich "die Besten auf der ganzen Welt" sind, wie Knopfler meinte, sei einmal dahingestellt). Das sollte sich allerdings im Verlauf des Konzertes ändern, in dem Knopfler mit seinem virtuosen Gitarrenspiel zunehmend die Dominanz übernahm.
Der Lörracher Marktplatz war an diesem Abend voll, ein für diese Art Musik eher unangenehmes Gedränge veranlasste den Autor, das Konzert von weit hinten zu verfolgen. Anfangs mit bester Sicht und gutem Sound, der sich allerdings gegen Ende, als es lauter, druckvoller wurde eher verbreite. Schade drum, auch wenn die Häuserschlucht am Ende des Marktplatzes akustisch schwer zu beherrschen sein dürfte.

Mark Knopfler

Der Verdacht drängt sich auf, dass man das Konzert in die Serie "10 Jahre zu spät" einreihen muss, doch dafür war es am Ende des Tages dann doch zu gut und mit über zweieinhalb Stunden auch alles andere als sein Geld nicht wert. Ein schöner Abschluss der diesjährigen Marktplatzkonzerte - das Festival indes geht noch weiter...
jh/Fotos: Pretender #1

Zuschauer: ca. 3500
Spieldauer: 2h40 (brutto, handgestoppt)

Mit Mark Knopfler spielten:
Glenn Worf (bass)
Ian Thomas (drums)
Richard Bennett (guitar)
Mike McGoldrick (Instrumentalist - guitar, flute, bagpipe, etc.)
John McCusker (Instrumentalist - violin, contrabass, flute, etc.)
Jim Cox (keyboard 1)
Guy Fletcher (keyboard 2)

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19.07.2013, Marktplatz Lörrach:
Circus Maxïmus
Maxïmo Park und Black Rebel Set in Lörrach

Stimmen Ein Jahr nach ihrer vierten und bisher letzten Platte The National Health ist die Indie-Rock Band Maxïmo Park wieder unterwegs. Am 19.7.2013 waren sie in Lörrach zu Besuch, eine ihrer Stationen während ihrer Europa-Tour 2013. Als Support waren die Jungs von Young Rebel Set dabei, eine Band aus Stockton-on-Tees in Nordost-England, wo auch der Sänger von Maxïmo Park, Paul Smith, herkommt.

Leider war das Wetter an diesem Abend nicht unser bester Freund. Verschiedene kurze Platzregen machten die frühen Vögel am Marktplatz sichtlich nass. Die Leute ließen sich jedoch nicht die Vorfreude auf das kommende Konzert von nassen Klamotten und Schuhen verderben. Etwa 100 Zuschauer waren schon dabei als Young Rebel Set mit zehn Minuten Verspätung endlich auf der Bühne erschienen. Diese Verzögerung war aber nicht der Band zuzuschreiben, sondern den Wassermassen auf der Bühne, die erst mal von der Crew beseitigt werden mussten.

Young Rebell Set auf der Bühne.
Young Rebell Set auf der Bühne.


Nun legten Young Rebel Set los - die sechsköpfige Band lieferte eine gute Einstimmung für den Abend. Obwohl sie aus der selben Stadt wie Paul Smith kommen, ist das die einzige Verbindung zwischen den beiden Bands: ihr Stil eher ruhiger als Maxïmo Parks. Young Rebel Set fing ohne weitere Kommentare einfach an zu spielen. Ihre Liederauswahl bestand aus ihren bekanntesten Liedern, wie z.B. Walk On, Won't get up again und If I was, das als Zugabe gespielt wurde. Obwohl der Frontman der Band eher zurückhaltend gegenüber dem Publikum war, lobte er das gute und leckere deutsche Bier, als er ein Rothaus (zwar nicht das beste Bier, aber über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten) in der Hand hielt. Natürlich nahm es das Publikum sehr gut an!

...nach 40 Minuten war das Spektakel dann auch schon wieder vorbei. Nach einer kleinen Umbau- und Erfrischungspause, wobei diesmal die Erfrischung nicht von oben kam, war die Bühne frei und bereit für Maxïmo Park.

Maxïmo Park auf der Bühne.
Maxïmo Park auf der Bühne.

Die Leute warteten gespannt auf das Erscheinen der Band, ausgestattet mit Bier und guter Laune. Noch bevor die Fotografen in den Fotograben gelassen wurden begann die Band des Abends zu spielen. Der Gesang ertönte, aber weit und breit kein Paul Smith in Sicht. Wo war der Sänger? Plötzlich stürmte er auf die Bühne mit seinem hinreißenden rot-schwarzen, schachbrett-karierten Blazer Der Finger von Paul Smith.und seinem berühmten Accessoir, dem Hut! Kaum war er auf der Bühne, sprang seine unverwechselbare Energie auf das Publikum über und ebbte zu keiner Sekunde des Auftritts ab. Es war als ob er allein mit seinem linken Zeigefinger die ganze Zeit über das Publikum dirigierte und in seinen Bann zog. Auch wenn Paul Smith das Zentrum der Aufmerksamkeit war, standen ihm seine Bandmitglieder in nichts nach. Sie lieferten eine tolle Show und strahlten ebenfalls eine besondere Energie aus, insbesondere der Keyboarder Lukas Wooller, der sogar auf seinem Keyboard eine kurze Akrobatikeinlage bot.

Die Setlist reichte von Klassikern wie Apply some Pressure, Girls Who Play Guitars bis zu Liedern ihrer neusten Platte wie National Health oder Write This Down. Da die Leute so begeistert von dieser genialen Band waren, holten sie Maxïmo Park nochmals für eine Zugabe auf die Bühne. Dabei war das Highlight Books From Boxes, bei dem die ganze Menge zufrieden mitgrölen konnte. Einfach ein genialer Abend!
Dingo y Josefa

Zuschauer: ca. 1000
Spieldauer:
Young Rebel Set: ca. 40 Minuten
Maxïmo Park: ca. 90 Minuten

Young Rebel Set sind:
Matty Chipchase: Gesang und Gitarre
Mark Evans: Gitarre
Andy Parmley: Gitarre
Chris Parmley: Bass
Luke Evans: Schlagzeug
Paddy Jordan: Keyboard

Maxïmo Park sind:
Paul Smith: Gesang
Duncan Lloyd: Gitarre
Paul Rafferty (als Ersatz vom üblichen Bassist, Archis Tiku): Bass
Lukas Wooller: Keyboard

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09.07.2013 20.04 Uhr, ZMF Freiburg, Zirkuszelt:
"Konzert" der Pet Shop Boys hinterlässt zwiespältige Gefühle
Fast volles Zirkuszelt feiert trotzdem eine Party

ZMF Es war eine eigenartige Veranstaltung die den Besuchern im Zirkuszelt des ZMF geboten wurde. Das Wort "Konzert" trifft das Geschehen wohl nur ansatzweise. Neil Tennant und Chris Lowe brachten trotzdem jede Menge gute Laune nach Freiburg.

Rotes Licht.
Rotes Licht.

Die Pet Shop Boys "spielten" Stücke von den letzten beiden Alben "Elysium" und "Electric", streuten aber auch alte Hits geschickt ins Programm. Ob Chris Lowe hinter seinem Aufbau wirklich Keyboard und Computer bediente, oder nur dekorativ dastand, darüber ließe sich trefflich streiten. Neil Tennant sang, das steht außer Frage und er tat dies mit dieser Stimme, die die Pet Shop Boys seit mehr als 30 Jahren unverkennbar machen. Mit jeder Menge Hall und Delay angereichert, klang die Stimme stellenweise wie ein ganzer Chor.
Die Stücke waren programmiert, keine Frage. Die teilweise gelungenen Viedeoproduktionen wurden auf transparente Vorhänge vor und hinter den Künstlern projiziert und endeten ausnahmslos sekundengenau mit der Musik. Die Badische Zeitung bezeichnete das Dargebotene als "Gesamtkunstwerk aus Musik, Licht und Projektionen". Und wohlwollender kann man es wohl kaum ausdrücken.

Blaues Licht.
Blaues Licht.

Der Höhepunkt für viele war eine energiegeladene, treibende Version von Love Etc. vom 09er Album "Yes". Dabei standen die beiden Protagonisten verhüllt von weissem Tuch auf der Bühne, nur ihre Gesichter waren zu sehen. Unter ihre Köpfe wurden analog zum Rhythmus tanzende Körper projiziert. Da konnte man für einmal das Prädikat "künstlerisch wertvoll" vergeben.
Das Publikum hatte jedenfalls Spaß. Sicher kann man sich fragen, was die teilweise albernen Einlagen auf der Bühne zu bedeuten hatten; wenn etwa zwei Tänzer mit gehörnten Pferdeköpfen über die Bühne schwebten. Aber was soll's, der Großteil der Leute war gekommen um zur Pet Shop Boys Musik zu feiern und zu tanzen und das taten sie dann auch.
the bishop

Die Pet Shop Boys "spielten": Axis/One More Chance/Face Like That/Opportunities (Let's Make Lot of Money)/Memory of the Future/Fugitive/Integral/Auszug aus "Le Sacre du printemps" von Igor Strawinsky/I Wouldn't Normally Do This Kind of Thing/Suburbia/I'm Not Scared/Invisible/The Last to Die/Somewhere/Leaving/Thursday/Love Etc./I Get Excited/Rent/Miracles/It's a Sin/Domino Dancing/Go West/Always on my Mind/West End Girls/Vocal

ZMF Freiburg



27.06.2013, Freiburg, ZMF, Spiegelzelt:
Musikalisches Rockfeuerwerk!


ZMF Jeder kennt diese Mischplatten "Best of 70er", "Geschichte des Rocks" oder so - zumindest aus der Werbung. Ehrlich gesagt: die sind schlimm. Warum? Weil sie langweilig sind. Warum? Weil sie eine Zusammenfassung sind; weil sie die Details und Nuancen völlig vergessen, die das Musikspielen zur lebhaften Kunst machen. Diese Variationen sind das, was der Zuhörer sucht, wenn er für eine Konzertkarte ein Vielfaches von dem ausgibt, was er für ein Album bezahlen würde. Waren Sie schon auf einem Konzert, bei dem die Band das Album haargenau nachspielt? Langweilig. Ein paar Bands von damals sind noch am (Ãœber)Leben und gehen sogar noch auf Tour. Ich habe beispielsweise James Brown auf der Bühne gesehen und erzähle es gerne auf Partys: Das hört sich gut an, was man von dem Konzert allerdings nicht behaupten konnte.Traurig. Solche Auftritte sollte man generell lieber lassen.
Idealerweise sollte ein Konzert ein Erlebnis für die Ohren sein, wie ein Feuerwerk für die Augen. Jeder weiß, was ein Feuerwerk ist. Jeder hat schon Dutzende davon gesehen: Fireworks of Rock im Spiegelzelt.es sind immer die Farben blau, rot, grün, lila, gelb; es sind immer Sterne, Bälle, Kreise.... Aber man geht immer gerne wieder hin, weil es jedes Mal doch anders ist.

Gestern waren doch auch einige im Zelt, die die 70er verpasst haben. Dank LPs, Kassetten, CDs und iPods können wir auf diese goldene Musikära zurückgreifen. Dennoch Queen, Uriah Heep oder Led Zeppelin live erleben können wir nicht mehr. Bis jetzt...
Denn die Brüder Buchholz zusammen mit Thomas Klauer und Oli Meier bringen all diese Legenden zurück auf die Bühne, live und lebendig, vor unsere staunenden Augen und lauschenden Ohren. Die Songs, die gespielt wurden, kennen wir ja alle: das sind Songs von Gestern eben. Dennoch haben wir sie gestern nicht nur live zu hören bekommen, sondern auch live erlebt! Wer noch kein Konzert mit dieser Band erlebt hat, hat Songs wie "Child in Time" oder "Bohemian Rhapsody" nie wirklich in den letzten zwei Jahrzehnten genossen.

Um 20:38 Uhr begannen die Fireworks of Rock ihre Show. Es war noch hell im Zelt. Das Publikum war noch ein wenig schläfrig? Erst als die letzten Sonnenstrahlen die oberen Fenster des noch unfertigen (fast spiegellosen) Spiegelzelts durchdrangen, konnte die Band mit "Aqualung" die Nachtfalter erwecken. Nach weiteren Songs, einer knappen Stunde Spielzeit und einem gelungenen Cover von Queens Meisterwerk machten sie eine Pause und mischten sich ins Publikum - was ich immer schön finde.
Kraftvolle Farben bei Klang und Bild.Nach einer weiteren Spielstunde inklusive "Behind Blue Eyes", "Black Dog" und einer brillante Version von "Dream On" (die LEDs moderner Handys ersetzen heutzutage die Feuerzeuge aus vergangener Zeit) wollte sich das rockige Quintett verabschieden. Doch die Zuschauer applaudierten sie zurück auf die Bühne und ließen sich erst mit "Child in Time" und vier weiteren Songs zufrieden stellen.
Es wurde getanzt. Es wurde geschwitzt. Es wurde gelacht und geschrieen. Ja, gestern haben wir genau das bekommen, was eine Platte nie schaffen wird: wir haben ein musikalisches Feuerwerk des Rocks erlebt!
Loïc

Zuschauer: ca. 600

Fireworks of Rock sind:
Tilo, Coco und Lorenz Buchholz
Thomas Klauer
Oli Meier

ZMF Freiburg



20.04.2013, Citigossip 3:
Von der Kunst auf der Straße

Neulich trottete ich mit einer vollen Einkaufstüte in der kalten Hand (wieder mal das Wetter unterschätzt) auf unserem Parkland Walk, einer zum Park ausgebauten alten Eisenbahnstrecke, nach Hause. Natürlich wieder an dem Baum vorbei, an dem alle immer Fotos machen und ich mich immer frage, warum eigentlich (die Wurzeln des Baumes schlingen sich um einen Rest Mauer). Doch halt! Was war das? Dieses Mal nähere auch ich mich dem Baum, betrachte neugierig ein mit weißer Farbe übermaltes Stück Mauer und darauf - ein Schablonen-Graffiti! Aufregung, Foto gemacht und sich wundern - ist das ein neuer Banksy?

Bei dem Namen Banksy klingelt es vielleicht bei dem einen oder anderen auch Nicht-London-Fan, hat es doch das als "Sklavenarbeit" betitelte Stück bemalte Mauer des britischen Straßenkünstlers bis in die deutschen Nachrichten geschafft. Dieses Stück Mauer mit dem Graffiti eines an der Nähmaschine sitzenden Jungen wurde neulich von der Wand abgetragen und sollte in Miami versteigert werden. Wer das Graffiti dort angeboten hat, ist bis heute nicht an die Öffentlichkeit gelangt; das Straßenkunstwerk kam nach heftigem Protest der Anwohner doch nicht unter den Hammer. Die Empörung über den vermeintlichen Diebstahl öffentlichen Eigentums (rechtlich war das wohl legal, der Hausbesitzer hat die Mauer abtragen lassen) war so groß, die Diskussion so laut, dass jemand in Miami kalte Füße bekommen hat. Das zeigt ein wenig die Liebe der Londoner zu ihren Straßenkünstlern. "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Geschichten gibt es eben auch in London.

Kein Original Bansky, aber an einem schönen Platz.
Kein Original Bansky, aber an einem schönen Platz.

Ein Beispiel ist Straßenmusiker James Bowen mit seinem Kater Bob. Bob lief dem Ex-Junkie schwer verletzt zu, der Straßenmusikant nahm sich des Tieres an, der Kater folgte ihm auf Schritt und Tritt und begleitete ihn zur U-Bahnstation "Angel", vor der James Tag für Tag mit seiner Gitarre Geld verdienen wollte. Das Paar wurde so bekannt, dass es mittlerweile ein Buch und bald vielleicht sogar einen Film gibt.
Die Station Angel ist sowieso ein bekanntes Pflaster unter den Musikliebhabern, treten dort doch so manche "Newcomer" auf und erspielen sich ein paar Minuten Aufmerksamkeit von den gestressten Pendlern. Aber auch in den meisten anderen U-Bahnstationen gibt es eigens ausgewiesene Plätze für Musiker, die vorher ein striktes Auswahlverfahren durchlaufen müssen, um dort spielen zu dürfen. Auch hier werden neue Talente entdeckt (so spielte eine der Bands bei der Eröffnung der Olympischen Spiele). Die Engländer haben also durchaus ein Herz für Straßenmusikanten. Und geben gerne auch großzügig.

Auch das ist Straßenkunst: die kostenlose Abendzeitung ''Evening Standard''.
Auch das ist Straßenkunst: die kostenlose Abendzeitung ''Evening Standard''.

Bewundernswert ist auch das Verhalten gegenüber den Obdachlosenzeitschriftenverkäufern (ja! Ein langes deutsches Wort!). In England heißt sie "Big Issue" (zu deutsch: das große Thema, oder auch Problem). Morgens, auf meinem Weg von der U-Bahn zur Arbeit, stehen drei der "Big Issue"-Verkäufer: raus aus der U-Bahnstation, auf dem Weg noch einen kostenlosen Espresso ergattern (den verteilt eine der großen Kaffeeketten morgens manchmal), und schon am Ausgang die Rufe des Jungen hören: "Good Morning Ladies and Gents! Big Issue!". Dabei steht er an der Kreuzung auf einem kleinen Platz, der Hund liegt oder steht vor ihm, starrt erwartungsvoll auf den Ball, den der Junge immer mal wieder ein wenig weg kickt. Weiter geht es Richtung Covent Garden, wo einem ein freundliches "Good Morning, Love" entgegenschallt. Das ist der liebenswerte, ruhige, freundliche "Seltsame". Warum seltsam? Naja, vor Weihnachten hatt' er sich dann schon mal als Weihnachtsmann verkleidet und am Tag darauf stand er nur in Strumpfhose und Weihnachtsmannjacke (aber mit Mütze und Bart!) da und musste gerade noch seinen Lümmel in der Strumpfhose richten...
Kurz darauf nicken der richtige Weihnachtsmann und ich uns zu. Mein Weihnachtsmann ist ein gutmütiger älterer Mann mit weißem Vollbart und roter Mütze. Meistens steht er nur gedankenverloren da. Aber wenn er einen erkennt, strahlen seine Augen. Oft steht der eine oder andere Geschäftsmann bei ihm und hält ein Schwätzchen. Das ist schön und hat was Integratives und für mich sind diese drei freundliche Fixpunkte auf meinem Kilometer durch die Stadt zur Arbeit.

Lebensrettend: auf der Straße steht, woher die Autos kommen (look right, look left).
Lebensrettend: auf der Straße steht, woher die Autos kommen (look right, look left).

In der aktuellen Ausgabe der "Big Issue" ist natürlich auch ein Bericht über Banksy. Der ist längst nicht so ein Phantom, wie man vermuten könnte, hat eine Agentur und einen Manager. Als Kommentar zu dem Diebstahl hat Banksy neben die leere Wand eine Ratte gemalt, die auf einem Schild nach dem "Warum" fragt. Geldgier natürlich, gegen die Banksy "ansprayed", und die ihn jetzt noch bekannter gemacht hat. In Zukunft werden wohl noch mehr London-Besucher die bestehenden und die zum Teil noch vorhandenen Graffitis suchen. Und bald wird wieder ein neues Kunstwerk irgendwo auftauchen. Ob unser kleines Graffiti ein Banksy ist? Wahrscheinlich nicht, dazu ist es doch zu unkritisch und unpolitisch. Aber für einen kleinen Moment darüber nachgedacht habe ich doch.
killerkatze









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